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Dein Frühling


Foto von Masaaki Komori

Lieber Mensch,
Frühling bedeutet Visionen kreieren, Wachsen und dabei auf Widerstände stoßen. Die Frage, wie wir mit Widerstand umgehen, ist eine ganz essentielle, weil wir den Umgang mit Widerständen nicht gut von anderen lernen können: Wenn aus einem Samenkorn eines Tages eine leuchtende Blume geworden ist, sehen wir nur das ausgestaltete Ergebnis und nicht den langen Weg, den dieses lebendige Meisterwerk durch das Erdreich unternommen hat.

Zuerst war um den Samen herum alles dunkel und kalt. Dann spürte er wie es langsam wärmer wurde. Die Sonnenstrahlen drangen tief in die Erde vor. Eine Vision bildete sich in dem Samenkorn: Wie es wohl da sein mag, wo die Wärme herkommt? Also begann das Korn zu wachsen, streckte erst die Wurzeln nach unten aus, um Halt zu bekommen, sich gegen das Erdreich zu stemmen und sich dem nähern zu können, was so warm lockte.

Doch ganz so einfach war es nicht, der Dunkelheit zu entkommen. Das Korn schickte sich in die Länge, bildete einen Kopf aus, der der Last über sich trotzte und mithilfe des Halts, den die Wurzeln bildeten, der Wärme immer näher kam. Der Samen war kein Samen mehr, sondern ein Stängel mit Füßen, die in die Erde drückten und wurde immer stärker und länger.

Und dann kam der Tag, an dem der Kopf das erste Mal die Wärme berührte und feststellte, dass es dort ganz anders war als dort, wo er herkam. Es war ganz hell, Wind ließ ihn erschaudern, überall war Bewegung und Lärm. Ein bisschen viel Veränderung für ein kleines Samenkorn. Wäre es in der Erde vielleicht sicherer? Aber Moment, er war ja gar kein kleines Samenkorn mehr! Er war schon ein kleines Pflänzchen mit ganz viel Kraft im Stängel.

Und diese Kraft nutzte die kleine Pflanze, um dem Wind, dem Regen und den Steinen zu trotzen und sich noch mehr in die Höhe zu recken. Die Energie der Sonne konnte sie gut nutzen und sie entfaltete sich zu einer Blume, die sie sich selbst nicht hätte vorstellen können. Winzige Blütenblätter formte sie zu einem Kelch, streckte grüne Blätter in alle Richtungen und begeisterte mit ihrer Farbenpracht.

Von hier oben konnte sie den langen Weg sehen, den sie gewachsen war. Und unter der Erde versteckt, lagen ihre Wurzeln, die ihr immer noch den Halt schenkten, den sie brauchte. Alles lief wunderbar und sie überlegte schon, wohin sie als nächstes wachsen wollte und welche Hindernisse sie dafür überwinden würde müssen. Es gab noch so viel zu lernen und darauf freute sie sich.


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